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Telschig Verfahrenstechnik hat sich erfolgreich dem Schüttguthandling verschrieben

Schüttgüter wie Milch- und Molkenpulver im Lebensmittel- sowie bspw. Mineral- und Kunststoffe im Non-Food-Segment sind das tägliche Brot der Telschig Verfahrenstechnik GmbH. Die im schwäbischen Murrhardt ansässige Firma hat sich in den 40 Jahren ihres Bestehens zu einem der führenden Unternehmen im Bereich Schüttguthandling weltweit entwickelt.

Großprojekt in Saudi-Arabien: National Foods orderte vor längerer Zeit eine vollautomatische Sackentleerungsanlage der Baureihe Cematic von Telschig Verfahrenstechnik für Magermilchsäcke.

Garantierte Restentleerung: Mittels eines eigens entwickelten Verfahrens werden die Big Bags so geöffnet, dass sie restentleert werden, ohne das Produkt zu kontaminieren.

Mobile Zerkleinerungsanlagen wie Klumpenbrecher werden in der Lebensmittelindustrie häufig zur Funktionssicherheit der pneumatischen Transporte verwendet.

Staubentwicklung, Verklumpen oder auch Schwierigkeiten bei der Restentleerung – das Handling von Big Bags und Säcken zur Abfüllung von Schüttgütern aller Art ist ein anspruchsvolles und forderndes Segment. Ein Unternehmen, das darin tätig ist, muss auf viele Herausforderungen vorbereitet sein. Das ist auch bei der Telschig Verfahrenstechnik im schwäbischen Murrhardt der Fall. Rund 40 Anlagen produziert das Unternehmen mit seinen 20 Mitarbeitern jährlich. Sie decken das gesamte Spektrum von der Zerkleinerung des Schüttgutes über die Entleerung von Säcken oder Big Bags ab. Zielgruppen sind die Chemie-, die Öl- und Gasindustrie sowie die Kunststoff- und die Nahrungsmittelindustrie, bei der vor allem Milch- und Molkepulver eine wesentliche Aufgabe darstellen.

 

Nicht von der Stange, sondern kundenspezifisch orientiert

Dabei ist keine der Anlagen wie die andere, wie Vertriebsleiter Dominic Korn erläutert. „Es gibt keine zwei identischen Anlagen bei uns. Alle sind auf die speziellen Bedürfnisse der Kunden hinsichtlich Platz und Anforderungen des Schüttgutes ausgelegt. Einzige Ausnahme sind Bestandskunden, die mehrere Anlagen für dieselbe Anwendung erwerben.“ Nicht von der Stange, sondern kundenspezifisch optimiert, heißt das Motto. Dazu steht auch ein Technikum für die Montage, für Tests und die Abnahme vor Auslieferung zur Verfügung. Für die Komplettierung von Komplettanlagen werden Zellradschleusen, Gebläse und Verdichter oder auch Wägezellen angekauft und in die eigenen Anlagen integriert. Das Portfolio der Schwaben ist breit aufgestellt. Es beginnt mit Zerkleinerungsanlagen in Form von Klumpen- und Knollenbrechern für die Grob- und Feinzerkleinerung von agglomerierten Schüttgütern und Stückgütern. Beide werden sowohl als stationäre als auch mobile Varianten angeboten. Letztere kommen in der Lebensmittelindustrie häufig vor einer pneumatischen Förderung zum Einsatz. Die Anlagen sind gedacht für weiche bis sehr harte Verklumpungen. Und verfügen zur Beseitigung unerwünschter  Agglomerate und Fremdkörper über Siebe und Magnetabscheider und erlauben eine hohe Funktionssicherheit nachgeschalteter Prozesse und Anlagen. Je nach Anforderung werden dabei immer wieder andere Werkzeugzusammenstellungen in den Anlagen verwendet. Wichtige Kriterien sind physikalische Produktdaten, die gewünschte Ausgangskorngröße oder auch Produkthärte und Durchsatzleistungensowie die Notwendigkeit einer Atex-Ausführung. Für bereits bekannte Schüttgüter ist die Werkzeugzusammenstellung relativ einfach, aber es gibt  auch neue Varianten mit  ungewöhnlichen Anforderungen. Ein Beispiel ist ein spezielles Produkt, welches aufgrund der Zusammensetzung sehr schwer zu verkleinern war. „In solchen Fällen fordern wir eine Produktprobe an und testen  verschiedene Werkzeugvarianten, um das optimale Handling zu ermitteln“, so Dominic Korn. Letztendlich erwies sich ein speziell zusammengestellter Walzenbrecher als beste Lösung zur Zerkleinerung. Eine Sondervariante wurde speziell für verklumpte Produkte entwickelt. Sie kam auf Anregung eines Zuckerherstellers zustande, der sie nun auch in einer Zucker-Raffinerie einsetzt. In modifizierter Form ist sie aber auch für andere Produkte erhältlich. Die Klumpenbrecher arbeiten einwellig bei weichen und mittelharten Produkten und zweiwellig bei harten bis sehr harten
Produkten.

 

"Alle Anlagen sind speziell auf die Bedürfnisse der Unternehmen und des zu verarbeitenden Schüttguts abgestimmt. Es gibt keine zwei vollkommen gleichen Anlagen."

Dominic Korn, Vertriebsleiter von Telschig Verfahrenstechnik

 

Sackentleerungsanlagen für die Lebensmittelindustrie

Ein wesentlicher Bestandteil des Portfolios sind Sackentleerungsanlagen, die sowohl manuell als auch halb- und vollautomatisch angeboten werden. Sie öffnen und entleeren alle handelsüblichen Säcke und Sackmaterialien mit einer Leistung von bis zu 1.200 Sack pro Stunde. Manuelle Anlagen sind geeignet für kleine Entleerleistungen bis etwa 60 Sack pro Stunde. Zur Ausstattung gehören z. B.eine pneumatische Auflockerung, Entstaubungsfilter, Dosier- und Fördereinrichtungen Leersackverdichter und elektrische Steuerung. Ein Beispiel ist die Kompaktanlage Cemobil, die über eine integrierte pneumatische Förderung verfügt. Weitere Baureihen sind die Cematic und die Semat-Linie. Letztere ist speziell für Granulate und alle granulatartigen, vorwiegend staubfreien Produkte geeignet. Die Entleerleistung beträgt 400 und 800 Sack pro Stunde. Besonders interessant aus Sicht der Milchindustrie ist die Cematic-Reihe. Die staubfrei arbeitende Baureihe wird für pulverförmige Produkte in den unterschiedlichsten Branchen eingesetzt. Die Anlagen sind in verschiedenen Automatisierungsstufen und vier unterschiedlichen Leistungsabstufungen lieferbar. Die Grundautomatisierung ist ausgestattet mit Sackzuführung, automatischer Öffnung und Entleerung, Entstaubung, Leersackverdichtung und elektrischer Steuerung mit Sackdosierung und Sackzählung. Eine vollautomatische Version mit der höchsten Leistung wurde vor einiger Zeit bei der saudi- arabischen Molkerei  National Foods in Jeddah umgesetzt. Bei dieser werden die Säcke mit Magermilchpulver auf Paletten angeliefert. Die Depalettierung erfolgt mittels eines Knickarm-Roboters, der die Säcke auf das Förderband legt, das die Säcke in die vollautomatische Sackentleeranlage transportiert. In dieser werden die Säcke automatisch geöffnet und entleert. Ein integriertes Sieb trennt eventuell enthaltene Fremdkörper vom Milchpulver. Mittels einer pneumatischen Förderung zum Flüssigkeitstank. Für die Bedienung der Anlage ist nur ein Mitarbeiter notwendig. „Im Bereich der Sackentleerung war dieses Projekt bislang das größte in der Milchindustrie“, berichtet Dominic Korn. Darüber hinaus wurden in diesem Segment auch eine Anlage für die irische Molkerei Shannonside mit Sitz in Roscommon umgesetzt und eine weitere für Milchpulver bei der Mac Cormac in Cork sowie zwei weitere an die koreanische Molkerei Hantec-Engin in Kyounggi-Do ausgeliefert. Ein anderes Projekt mit Bezug zur Milchindustrie ist die Konzeption einer Cematic für die Entleerung von Kaseinpulver und Granulat am Standort Kaltenkirchen der Lactoprot Deutschland GmbH. Andere bekannte Namen im Kundenstamm beinhalten Unilever, Hochdorf Nutritec, Coca-Cola oder auch Pepsi Co und Ziemann.

Big Bag-Entleerungsanlage für die BMI

Die Erfahrungen des Unternehmens in der Milchwirtschaft hören bei der Sackentleerung aber nicht auf. Auch in der Big Bag-Entleerung konnte bereits mit der Bayerischen Milchindustrie (BMI) ein bekannter Name als Kunde gewonnen werden. Vor einigen Jahren wurde eine Anlage an dem damaligen Standort der Gruppe in Freising geliefert. Sie beinhaltete Technik für die Entleerung von Big Bags mit Sprühmagermilchpulver, Sprühmilchpulver und Kaseinpulver und wurde in einer vollautomatischen Version ausgeliefert. Eine Besonderheit der Big Bag-Anlagen von Telschig ist die garantierte Restentleerung aller Big Bags. Sie wird gewährleistet durch die Verwendung eines stationären Kreismessers, das fest an der Unterseite der Anlage angebracht ist. Sobald das Gewicht des Big Bags auf die Anlage drückt, wird dadurch eine kreisrunde Öffnung des Big Bags erzeugt. Um eine Kontamination des Produkts zu verhindern, bleibt der offene Teil aber fest verbunden mit dem restlichen Big Bag und kann daher nicht in das Produkt fallen. „Die Lösung haben wir in dieser Form bislang weltweit als einziger Anbieter vorgestellt“, erläutert Dominic Korn. Zudem arbeiten alle Anlagen durch die Verwendung von integrierten Entstaubungsfiltern mit Absaugventilatorn einschließlich mechanischer Abdeckung komplett staubfrei. Der Filter erzeugt im Entleertrichter einen Unterdruck, so dass Staubaustritt nach außen vermieden wird. Der in der Absaugluft enthaltene Staub wird zudem durch den Filter separiert und kontinuierlich abgereinigt. Der abgereinigte Staub fällt automatisch wieder in den Entleertrichter zurück. Dadurch wird Produktverlust vermieden. Am Auslauf der Entleertrichter ist ein  Produktzerkleinerer montiert, so dass damit die im Produkt enthaltenen Verklumpungen aufgelöst oder zerkleinert werden können.

Pneumatische Förderung ergänzt das Produktspektrum

Weitere Bestandteile des Produktsortiments sind pneumatische Fördersysteme zum Transport von Schüttgütern und Granulaten in Rohrleitungen. Die maximalen Förderdrücke liegen bei bis zu 2,5 bar Überdruck und 0,6 bar Unterdruck. Die Produkte gelangen in das Fördersystem durch Schleusen, Injektoren, Schneckenpumpe oder Drucksendebehälter. Physikalische Produkteigenschaften sowie die Förderleistung und Funktion entscheiden über die Ausführung der Anlage. Um die Systeme an die Anforderungen anzupassen, nutzt Telschig ein selbstentwickeltes Berechnungsprogramm. Die Bereiche Anlagentechnik sowie Verfahrens- und Prozesstechnik runden das Sortiment ab.

Exportanteil über 50 Prozent

Wie den bereits erwähnten Projekten zu entnehmen ist, operieren die Schwaben weltweit, teils mit eigenen Projekten, die komplett allein abgewickelt werden, teils aber auch mittels der Beteiligung bei Großprojekten mit anderen Unternehmen. Aktuelle Beispiele sind einige Projekte die von der GEAGruppe federführend in Australien, Vietnam und Neuseeland umgesetzt werden. Dementsprechend wird der Löwenanteil am Umsatz, der sich 2016 auf rund 3 Mio. Euro belief, im Export erwirtschaftet. „Wir hatten 2016 einen Exportanteil von 80 Prozent am Umsatz.Das schwankt zwar von Jahr zu Jahr, aber generell kommen mehr als 50 Pozentaus dem Export“, erläutert Firmengründer und Geschäftsführer Horst Telschig.

Langer Kontakt zur Milchwirtschaft

Der Bezug zur Milchwirtschaft kommt nicht von ungefähr, sondern hat durchaus auch historische Gründe. Bevor sich Horst Telschig 1973 selbstständig machte, arbeitete er für eine Firma, die Anlagen für Milchaustauschfutter für Kälber konzipierte und umsetzte. Einer der Kunden war die bayerische Käserei Champignon, die Anlagen für Magermilchpulver und Milchaustauschpulver orderte. Ein guter Einstieg in dem Bereich des Schüttguthandlings in der Milchindustrie. Als späterer Ein-Mann-Betrieb und Vertreter von Firmen kamen weitere Kontakte hinzu, sodass die Branche in den ersten Jahren eine große Rolle spielte. Das ist aktuell weniger der Fall, hat sich das Augenmerk doch in Richtung anderer Industrien gewendet. Für die Zukunft bildet die Branche aber durchaus eine wichtige Option. „Wir haben die Strategie Produkte zu entwickeln, die man durch Modifikationen in verschiedenen Industrien einsetzen kann. Und da spielt die Lebensmittelindustrie, speziell die Milchindustrie, durchaus eine Rolle“, so der Firmenchef. Diese könnte vielleicht sogar wieder größer werden. Bei der mittelfristig angestrebten Umsatzsteigerung auf 5 Mio. Euro jährlich sollen zwar zunächst die bisherigen Standbeine genutzt werden, aber „eine Konzentration auf bestimmte Branchen ist durchaus möglich“, so Horst Telschig. Ziel sei es sich mehr zu spezialisieren, um die Produktentwicklung auch bei einem relativ kleinen Team garantieren zu können. Eine Option ist dabei sicher auch die Milchwirtschaft. Diese Entscheidung wird Horst Telschig aber wohl „nur“ noch in beratender Funktion begleiten. Nach 44 Jahren als Geschäftsführer wird er Ende des Jahres seine Tätigkeit an einen Nachfolger übergeben und in den wohlverdienten Ruhestand wechseln.

 

Quelle: DMW · Die Milchwirtschaft 19/2017 (S.608-682)